Mittwoch, 11. Juni 2025
Donnerstag, 4. März 2021
Meine Mähntorin
Lange gab es hier nichts Neues zu lesen. Genauer seit dem Februar 2020 nicht. Nun. Ist ja wohl klar. Corona!
Wir alle wissen, was sich in der Welt geändert hat seit und mit 2020. Will man da eigentlich noch eine Geschichte dazu lesen? Ist man da nicht langsam einfach nur müde?
Ich habe inzwischen an drei Adressen im Homeoffice gearbeitet - und an mehr als drei Tagen habe ich darüber nachgedacht, doch auch mal über dieses Dasein im Homeoffice zu schreiben oder meine inzwischen gut erprobten Tipps dazu weiterzugeben. Und wegen der drei Adressen hätte ich ja auch jede Menge zu erzählen.
Was mich aber heute dazu bewegt, auch hier mal wieder zu schreiben, ist eine beschissene Nachricht.
Es gibt ja noch immer diese eine Krankheit, die Corona in Beschissenheit, Unfairness und Arschigkeit in absolut nichts nachsteht. Und als ich davon erfuhr, hatte ich sofort einen Kloß im Hals.
Seltsam... Wenn man von der schweren Erkrankung eines Menschen erfährt, denkt man nie ausschließlich an diese betroffene Person und nur über sie nach, sondern das eigene Hirn verknüpft in seinem Schock alles wieder nur mit einem selbst und man denkt über sich in Verbindung zu dieser Person nach und was sie für einen bedeutet. Vielleicht aber sagt dieses Ichichich auch ganz viel über diesen Menschen.
Also...
Es ist die Frau, die mich für meine berufliche und private Laufbahn weit mehr geprägt hat als sie selbst vielleicht auch nur erahnen könnte.
Ich fing gerade als Volontärin an und das ausgerechnet im Wirtschaftsressort, in dem damals ein Boss der Boss war, der sich teils schlimmer als die Bossin in "Der Teufel trägt Prada" zu benehmen wusste. Insgesamt eine harte Schule also. Geschadet hat es mir übrigens nicht. Dafür vielleicht anderen, bei denen ich heute diese Härte gern mal anlege... Was ich aber mit meinen ersten vier Wochen journalistischer Ausbildung vor allem verbinde, ist und bleibt diese Kollegin.
Ich war damals noch keine 24 (bald werde ich 37) und hatte vergleichsweise wenig mit der Person/Persönlichkeit zu tun, die ich heute bin. Und dass ich heute so bin wie ich bin, das hat wohl auch viel mit dieser Kollegin zu tun.
Schon am zweiten Tag nahm sie mich zur Seite und referierte einfach so aus der Kalten heraus: "Mädchen, du kannst was, das sehe ich. Sei nicht so schüchtern. So bist du nicht. Lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen, lass dich nicht unterbuttern - hier nicht und auch sonst nicht. Man wird dich natürlich für eine Zicke halten, dann weißt du, dass du es richtig machst."
Was genau das hieß und was sie damit meinte, hat sie mir in den folgenden Wochen nie erklärt, sondern einfach vorgelebt: klare Kante, Kompetenz, Pfeifen auf Klischees, Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Härte in der Sache, mehr Nein als Ja sagen, überhaupt den Mund aufmachen und klare Worte nutzen, sich nicht den Mund verbieten lassen, sich nicht ins Wort fallen lassen, Einstehen für die Dinge, die einem wichtig sind, anderen die Stirn bieten, nicht gefällig sein um anderen zu gefallen und viele viiiiiele Dinge mehr waren einfach ihr Naturell - Eigenschaften, die Männern auch heutzutage noch immer den positiven Macher-Stempel und Frauen den als "komplizierte Zicke" einbringen.
Unsere Wege trennten sich. Ich fasste nach dem Volontariat und einigen Umwegen in der einen Redaktion Fuß, sie wechselte in eine andere. Für mich ging es beruflich auf und ab, privat übrigens auch - manches davon hatte auch damit zu tun, dass ich mir nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollte, und ich bereue das in keiner Sekunde! Sogar der Betriebsrat (sie saß übrigens im Betriebsrat) musste hinzugezogen werden wegen meines Butterbrots und der Art, wie ich es verteidigte.
Und eines Tages traf ich sie zufällig auf einem Bahnsteig wieder. Sie grinste. "Du hast dir ja ein richtig fieses Zicken-Image erarbeitet die letzten Jahre", sagte sie. Schon kam ihre Bahn. Und mit einem "Määääääh, mach nur weiter so!" stieg meine Mentorin ein.
Freitag, 21. Februar 2020
Nichtsmachenkönner
Guter Bulle, böser Bulle
Eine kleine Randnotiz mal noch zum versöhnlichen Ende, weil man darüber schmunzeln kann: Als wir neulich darüber berichteten, dass eine Supermarkt-Filiale auf Entscheidung des besitzenden Unternehmens hin geschlossen wird, erreichte uns via Facebook folgende Zuschrift: "Warum schließt Ihr den Konsum???".
Was wir alles machen ... keine Bäume retten, aber Läden schließen! Irgendwie muss man die 36,5 Stunden aus dem Arbeitsvertrag ja rumkriegen.
Freitag, 13. September 2019
Menno, nix gibt es kostenlos
- Ich werde zum eine Minute Fußweg entfernten Bäcker schlendern und die freundlichen Damen bitten, mir eines der Brötchen bitte einfach so zu geben. Oder besser noch ein Croissant. Hatte ich ewig nicht. Aber nur für lau. Sonst nicht. Geh ich halt weiter zum Fleischer. Ist mir doch wurscht, wie die Bäckersfrauen Geld für ihre Miete verdienen und ihre Kinder füttern.
- Ich kenne über drei Ecken Leute, die bei Automobilherstellern am Band stehen. Ich werde fragen, ob die mir mal einfach so ein Auto (gerne auch was sportliches) mitbringen. Kann man doch mal fragen. Am besten schreibe ich jetzt gleich mal irgendeinen von denen via Facebook an, am besten noch ohne Hallo oder sonstige Aufhaltereien, direkt raus mit meiner Frage: "Bringste mir einen Porsche, direkt vor die Tür?!"
- Was sitze ich eigentlich an einem Freitagabend am Rechner? Ich geh runter in die Bar nebenan und trinke mir ordentlich einen an, die Laune dazu hätte ich. Ich bin mir sicher, dass der Barkeeper mir die Drinks für umme gibt sobald ich beim Blick auf die Preise "Or menno, das kostet ja alles Geld" sage.
Freitag, 22. Februar 2019
Ich mache bald Urlaub in den Misanthropen
Meistens ist es mein Job, der mich zu dieser Erkenntnis des Menschenhassens zwingt und mich das Negativ-Mantra irgendwas zwischen entnervt und echt angepisst ausspucken lässt.
Warum ich Menschen hasse? Wegen Vorfälle wie dieser:
Redaktion 8.30 Uhr. Ich bin gerade angekommen. Zuvor habe ich mittels Diensthandy schon zwei unfreundliche Mails aus dem allgemeinen Postfach der Redaktion weitergeleitet oder beantwortet und unzählig viel Spam gelöscht. Da wir kein richtiges Sekretariat mehr haben, macht man das jetzt eben als Redakteur so nebenbei auch mal noch mit. Einer der Schreiber beschwerte sich - mit ein, zwei Beleidigungen an uns Journalisten im Allgemeinen versehen - darüber, dass ein von ihm verschickter Leserbrief nach zehn Tagen noch immer nicht erschienen sei. Der andere Schreiber empfiehlt ein Video, das uns über die Verfehlungen der Bundeskanzlerin aufklären soll und mich unweigerlich an Hitlerbärte denken lässt.
Auf dem Display meines Diensttelefons ist ein verpasster Anruf angezeigt. Gestern um 22.16 Uhr sowie heute um 7.12 Uhr und 7.55 Uhr hat jemand versucht, mich zu erreichen. Ich rufe – es ist 8.32 Uhr – zurück. Es meldet sich eine Frauenstimme. Ich stelle mich vor und verweise auf den verpassten Anruf. Sie motzt mich umgehend an, warum ich denn bitte jetzt erst anrufen würde. Ich sage, dass ich den Anruf jetzt erst gesehen und umgehend angerufen habe. Still in mich hinein frage ich mich, warum ich in so eine Rechtfertigungshaltung kippe nur weil ihr Tonfall beschissen ist. Laut frage ich, worum es denn geht.
Sie wolle eine Anzeige schalten, sagt die Frau. Ich sage, dass ich Redakteurin bin und nicht für die Anzeigen zuständig. Das ist die Wahrheit. Die findet die Frau offenkundig nicht okay. Sie verweist darauf, dass im Impressum mein Name und meine Telefonnummer in Zuständigkeit für die Stadt stehen würden. Ich verweise darauf, dass dazu auch steht, dass ich in der Redaktion sitze und darüber in der Liste die Anzeigenabteilung ebenfalls mit Namen und Nummern aufgeführt ist. Murrend akzeptiert die Frau, dass ich ihr nicht helfen kann, betont aber, dass es ja wohl eher ums „nicht helfen wollen“ gehe.
Ich verweise auf die Anzeigenabteilung und nenne die Telefonnummer der Kollegin. Zugleich weise ich darauf hin, dass die erst ab 9 Uhr erreichbar ist. Das sei eine Frechheit, dass bei uns keiner zu ordentlichen Zeiten arbeite, sagt die Frau und will das mit der Anzeige lieber sein lassen. Ich gebe es auf.
In der Zeit, die ich mit diesem Telefonat verschwendet habe, hat jemand anderes es versucht. Auch diese Nummer rufe ich zurück. Am Apparat die Männerstimme eines akustisch wahrnehmbar älteren Mitmenschen. Als er erkennt, dass jetzt irgendwer von der Zeitung angerufen hat, legt er munter gleich mal los. „Bei euch geht keiner ran! Keinen erreicht man bei euch!“ Was er denn wolle, frage ich ihn. Er hat seine Zeitung nicht im Briefkasten. Wieder – ist ja wirklich schwer zu verdauen – muss ich drauf verweisen, dass ich nur Redakteurin bin und leider über die Abo- und Zustelldaten nicht verfüge und auch keine Kenntnis über mögliche Probleme bei der Zustellung habe, weshalb ich an die zuständige Nummer verweisen muss. Das genügt dem Mann scheinbar nicht. Jedenfalls putzt er mich weiter herunter, dass es ein Saftladen sei und er sich beim Chef über mich beschweren wird, dass ich ihm nicht helfen wolle und dass er dort erzählen werde, dass ich nicht an mein Telefon gehen würde. Es sei ja wohl wahrnehmbar besetzt gewesen und ich hätte ja umgehend zurückgerufen, versuche ich den Mann zu beschwichtigen. Er legt auf. Ich frage mich, warum nicht eigentlich ich schon viel früher aufgelegt habe.
Ergo: Ich hasse Menschen!
Mir ist ja durchaus bewusst, dass ich – davon gehe ich zumindest aus – noch auf einem sehr hohen Niveau jammere. Menschen, die beruflich zum Beispiel im medizinischen Sektor oder in einer Behörde mit Menschen zu tun haben, haben es vielleicht noch schlechter als ich.
Aber das Ding hier ist nun mal ziemlich subjektiv und da werde ich mich doch nochmal auskotzen dürfen, sobald mir irgendwas in die Nase fährt…also bitte…
Ich wünschte, ich hätte eine Stelle, bei der ich anrufen und einfach losschimpfen könnte und wenn mir dort einer erklärt, dass er nicht zuständig ist, aber die richtige Adresse kennt, dann flippe ich so richtig aus. Am besten ich rufe irgendeine Lokalredaktion an. Oder ich schicke denen Katzenvideos. Die wollen doch eh nicht richtig arbeiten, wenn die um sieben noch nicht ans Telefon gehen und um 22 Uhr nicht mehr! Saftladen!
Montag, 17. Dezember 2018
Viel zu lernen
Kommentare ignorieren
So gut ich mich selbst beherrschen und zügeln kann, vermeide ich es, jene Kommentare zu lesen, die zu meinen online veröffentlichten Artikeln eintrudeln*. Das raubt nur Zeit und vor allem Nerven. Meistens – so jedenfalls meine Erfahrung - echauffiert sich doch nur irgendein Troll, der ohnehin nicht mehr als die Überschrift gelesen hat, bezeichnet einen als dummen Praktikanten und weiß eh immer besser, wie Journalismus und – meistens geht es ja darum – Regierungsarbeit funktioniert. Nichts gegen konstruktive Kritik, aber das bringt mir so rein gar nichts außer Puls. Da ich meinen niedrigen Blutdruck inzwischen so gut wie überwunden habe, brauche ich das aber nicht.
* Manchmal werde ich doch schwach, lese Kommentare und rege mich darüber auf, dass sich wer anders aufregt. Sinnlos!
Menschen blockieren
Man ist als Mensch und weniger als Journalist bei Facebook oder Instagram oder sonst irgendwo. Irgendwo sonst ist die Zeitung nicht im Briefkasten oder etwas anderes irgendwie nicht nach dem Geschmack einer Person gelaufen. Sie greift nicht zum Hörer und wendet sich an eine Hotline, sie greift zur Tastatur und schreibt einen bei Facebook an, weil man blöderweise der einzig deutlich erkennbare aus der Redaktion ist und damit in den Augen einiger wohl für alles zuständig. Ich weise höflich darauf hin, dass ich da jetzt (meistens ist es Samstagabend 22 Uhr) nicht helfen kann und verweise wiederum an den Kundendienst ab Montag. Dafür werde ich dann beleidigt, dass der Service bescheiden ist und ich mich gefälligst JETZT kümmern soll. Ich schreibe noch, dass es mir um diese Zeit (zur Erinnerung: meistens ist es Samstagabend 22 Uhr) unmöglich ist, die Zeitung in ein 15 Kilometer entferntes Dorf nachzuliefern. Das interessiert nicht. Auch beim nächsten Mal wieder. Und wieder. Die Person begreift nicht, dass ich die falsche Adresse für ihre Themen bin und lässt ihre Wut an mir aus, gerne auch die zum Thema „Lügenpresse“ allgemein. Das reibt auf. Es fällt schwer, sich nicht in Diskussionen verwickeln zu lassen. Also blockiere ich solche Menschen. Ruhe kehrt ein.
Nein sagen
Samstag 18 Uhr. Anruf auf dem Privathandy, Nummer hat man sich von XY über Z besorgt. Morgen um 10 Uhr ist dies, das und jenes auf dem Dorf los, steht schon lange fest, hat man nur vergessen dem Kollegen zu sagen und ich sei ja wenigstens erreichbar. Aha. Morgen pünktlich um zehn soll ich bitte kommen und einen Bericht über die Kranzniederlegung, die Eröffnung der neuen Blumenstube oder die Konfirmation schreiben. Nö, kann ich nicht, mache ich nicht, meine Termine für das Wochenende stehen, sage ich. Aber Journalisten seien doch immer so spontan?! Ja, sage ich, das schon, aber nur wenn es wirklich nicht anders geht und gerade am Bahnhof der ICE entgleist oder der Oberbürgermeister verhaftet worden ist. Ansonsten gilt: Wenn ich wirklich jedes einzelne Mal spontan springen würde, wenn einer das von mir haben will, dann hätte ich keinerlei Freizeit und Privatleben mehr. Ein Recht auf Freizeit habe ich trotz meines Jobs. Also: Termine bitte künftig nicht kurz vor knapp, sondern mit ein paar Tagen Vorlauf und für morgen um zehn Uhr gibt es daher nur ein klares Nein*, der Kollege wird sich ab Montag telefonisch dazu melden.
* Daraus lernt man wiederum: Nein sagen zu können, wird ja immer gerne propagiert – aber wehe man macht es wirklich … es kommt nie gut an, es wird meist als persönliche Beleidigung aufgefasst. Da müssen wir alle noch ganz viel lernen.
Sonntag, 11. November 2018
Fünf Monate und fünf Jahre
Konsequenzen ziehen
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| Das sieht doch schon ganz professionell aus. Der Helm ist nicht meiner, ich musste ihn mir kurz leihen. |
Bauchgefühl geht vor
Sonntag, 30. September 2018
Sprechstunde
Wochen später treffe ich ihn bei einer Familienangelegenheit wieder und er sagt ganz unvermittelt: "Wenn Gott ein DJ ist, dann tanzen Sie besser über manche Dinge nach als sich den Kopf zu zerbrechen, okay!?" God Is A DJ und der Pfarrer ein Psychologe. Amen.
Montag, 13. August 2018
Urlaub in den Misanthropen
Sonntag, 17. Juni 2018
Lokaljournalismus geht durch den Magen
Lecker Lokaljournalismus
Samstag, 9. Juni 2018
Just B 2Punkt0
Ich bin immer wieder erstaunt, dass es dort auch Lokalzeitungen gibt, am Ende aber doch nicht neugierig genug in Erfahrung bringen zu wollen, wie die Journalisten dort mit 48 Wochen Sommerloch pro Jahr umgehen. Ich will ja nicht, dass in Brandenburg was passiert und Kontakt mit solchen Menschen wie es Journalisten sind, will ich auch nicht.
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| Durchgemacht |
Sonntag, 13. Mai 2018
Ä wie Äraänderungen
Freitag, 20. April 2018
Dienst und Schnaps
Kann man Job und Privatleben trennen? Sollte man. Geht das immer? Nein. Ist man im Job genauso wie im Privaten? Also ich nicht. Nicht mehr. Ich habe eine Dienst- und eine Schnapspersönlichkeit. Ich leiste sie mir sogar bewusst.
Terminjournalismus. Muss ja auch mal sein. Eine Genossenschaftsidee in meiner Stadt wird vorgestellt, die Infoveranstaltung soll Bürger locken, Anteile zu erwerben. Das ist grundsätzlich für mich eine gute – und zugegeben auch bequeme - Gelegenheit, zu erfahren, wie es um die Genossenschaft steht und wer sich dafür interessiert. Irgendwie ist das auch Chronistenpflicht. Also bin ich hier.
Vor mir sitzt eine Frau. Sie lauscht aufmerksam, was so geredet wird. Als es an die Fragerunde geht, schnellt ihr Arm nach oben. Mit betont kritischer Stimme fragt sie, was sich hinter diesem und jenem Punkt der Genossenschaftssatzung verbirgt. Gut. Kann man fragen. Muss man nicht. Ich höre ihr aufmerksam zu. So wie ich jedem aufmerksam zuhöre, der mir im beruflichen Alltag begegnet. Egal erstmal, was für einen Sch… er erzählt. Erstmal zuhören, dann aussortieren. Das gehört zum Job. Ich höre zu. Ihr auch. Auch dann, als sie zu erläutern beginnt, warum sie diese Frage so gestellt hat. Eine aus meiner privaten Sicht unnötige Erläuterung.
D-Zug
Wieder die Frau. Sie erzählt. Und erzählt. Durchaus unterhaltsam, irgendwie erinnert ihr Reden aber immer ein bisschen an Auftritt. Hier und da eine Pointe, da was Nachgeäfftes, dort eine ungewohnte Betonung. Gesten. Schenkelklopfer. Den heutigen Witz lässt sie per Video auf dem Smartphone einen alten Mann im bunten Hemd erzählen. Der Witz ist nicht so alt wie der Mann, ich habe ihn trotzdem schon vor einem Jahr gehört. Also höre ich nicht zu. Ich schalte auf Durchzug. Wie ich es oft bei ihr und anderen Bekannten mache. Körperlich bin ich anwesend, ich bringe mich auch immer mal ins Gespräch ein, aber 100 Prozent – so wie im Job - gebe ich für solche Plaudereien nicht. Bei Freunden mache ich das nicht. Für die nehme ich mir Zeit und erst recht die zur echten Kommunikation, wenn die Zeit auch knapp bemessen sein mag oder selten...
Aber Menschen wie der Frau höre ich immer schlechter zu. Ich schalte ganz bewusst auf Durchzug. Weil ich es kann. Für mich eine gute Nachricht.
Jahrelang hat meine Hypersensibilität an meinen Nerven gezerrt, gezehrt und sie überreizt. Ich habe an einer vier Meter langen Tafel voller Gesprächsdurcheinander noch mitbekommen, was der Kerl am anderen Ende der Tafel als Drink bestellt und genossen hat. Ich konnte Tage später noch erzählen, wer wann was als Kleidung anhatte. Und ich konnte Stunden später benennen, welche Autokennzeichen mir auf der Landstraße entgegenkamen. Mir ist kaum etwas entgangen. Im Job mag das nicht schlecht sein, fürs Leben ist es nichts. Ich lebe zwar lieber und zum Leben gehört vermutlich für jeden irgendeine Bekannte oder irgendein Bekannter, der mit seinem Smartphone ganze Runde unterhalten will. Im Leben muss man aber auch nicht alles mitmachen und in sich hinein- und auf sich hören. Nur muss ich mit meinem D-Zug nicht alle anderen abhalten von dem, was sie okayer finden als ich. Ich bin also einfach aus der Bar getürmt. Entzug ist in Sachen Schnaps echt ein probates Mittel.
Sonntag, 11. Februar 2018
Zeitverschwender
Ich: "Die XXX in Y, Christine Jacob. Guten Tag!"Sie: "Ja, ich wollte mich beschweren!"Ich: "Hm. Was gibt es denn für ein Problem?"Sie: "Wir haben die Zeitung hier im Ort alle immer mittwochs, heute hat gar keiner eine bekommen."Ich (verwundert): "Immer mittwochs, ja?! Und in Z?"Sie: "Ja, immer mittwochs das Anzeigenblatt, der Zetter Wochenspiegel."Ich: "Ahja. Sie sind hier aber in der Redaktion der XXX gelandet und in ß gelandet. Wir haben mit dem Anzeigenblatt in Z aber absolut nichts zu tun. Der Zetter Wochenspiegel gehört nicht zu unserem Unternehmen."Sie: "Also kümmern Sie sich jetzt?"Ich: "Nein, das kann ich nicht. Das Anzeigenblatt hat mit der XXX wirklich wirklich gar nichts zu tun. Sie sind hier in der Redaktion gelandet."Sie: "Also wir wohnen in der ..."Ich: "Moment mal, bitte. Es geht Ihnen um das Anzeigenblatt, das immer mittwochs kommt, ja?! Nicht um die Zeitung, die jeden Tag außer sonntags erscheint?!"Sie: "Sag ich doch, die Mittwochszeitung."Ich: "Hm. Wie gesagt, da sind Sie bei mir leider falsch!"Sie: "Aber ich habe schon wo angerufen und die haben gesagt, ich soll bei Sie anrufen und haben mich Ihre Nummer gegeben."Ich (mich gefällt das gar nich, mich wirft es die Stirn in böse Falten): "Nein, nein. Das war eine Fehlinformation. Das Anzeigenblatt in Z machen wir nicht und wir stellen es auch nicht zu."Sie: "Okay, da kümmern Sie sich jetzt also."Ich: "Nein!"Sie: "Aber Sie sind doch bei der Zeitung."Ich: "Ja, bei der Zeitung XXX, nicht beim Zetter Wochenspiegel. Ich habe Ihnen jetzt zwischendurch mal die Nummer rausgesucht."Sie: "Ich will nicht noch wo anrufen. Kümmern Sie sich doch, dass ich die Mittwochszeitung bekomme, dafür habe ich doch angerufen!"Ich: "Nochmals: Das Anzeigenblatt geht die Redaktion der XXX nichts, absolut gar nichts an! Die Nummer von denen lautet 12345. Rufen Sie bitte dort an!"Sie: "Also haben Sie sich das jetzt notiert, wird jetzt nachgeliefert?!"Ich: "12345 sollten Sie sich notieren! 12345 und die sollen sich kümmern!"Sie: "Achso?! ... Achso ... Na gut."Tut-tut-tut ...
Sonntag, 4. Februar 2018
Balance-Schlaupelz
Ich arbeite nicht zu viel, will ich auch gar nicht (mehr)
Diese und jene Tage
"Arbeite weniger, aber intelligenter, sei ein Schlaupelz."
** Manchmal mache ich sogar das.
Freitag, 26. Januar 2018
Auswärts
Sonntag, 7. Januar 2018
Deemanzipation in Heftform
Problemzone Heftinhalt
| Ich kann hier kein Problem feststellen. |
Als ich jung war
* Fitnesshefte für die männliche Zielgruppe sind sehr wahrscheinlich keinen Deut besser.
Sonntag, 24. Dezember 2017
Dankbarkeit
![]() |
| Schauen wir mal, was das Jahr 2018 bringt... |
Donnerstag, 14. Dezember 2017
Die Wahrheit an der Lügenpresse
Kurzum: Donnerstag ist kein beliebter Tag unter den meisten Redakteuren. Bislang kam ich noch ganz gut zurecht mit diesem Tag und habe – finde ich – immer wieder gute Themen angeboten und davon auch nicht zu knapp. Ich habe mich gefreut auf diese vielen kleinen und großen Projekte der nächsten Tage. Und strukturiertes Arbeiten und Organisation liegen mir ohnehin, ich konnte also in 99 Prozent der Fälle garantieren, dass ich auch liefere, was ich notiert habe. Alles schick.
Nicht mehr. Jetzt mutiert der Donnerstag auch für mich zu einem Montag wie ihn jeder Angestellte fürchtet. Donnerstag? Mäp, hör mir uff mit dem! Donnerstag? Hab ich keinen Bock drauf! Waaaaaas, schon wieder Donnerstag? Och nö, ich möchte lieber liegen bleiben.
Ist klar. Erst recht zum Jahresende. Die Redaktion ist müde, die Kollegen scheinen leer und verbraucht. Jetzt hat es auch mich, mit 33 Jahren das „Küken“ der Redaktion (schlimm genug, dass man in dem Alter die Jüngste einer Redaktion sein kann), auch erwischt. Ich fühle mich noch leerer und noch verbrauchter. Ich bin müde. So kommt Donnerstag X und plötzlich fällt einem nicht mal mehr ein, was man auf den Plan schreiben soll. Weil da nix ist. Keine Idee, kein Funke, keine Lust. Alles 08/15 und manchmal nicht mal das. Kein Kracher. Kein Knaller. Keinen Bock.
Kein Wunder!
Ich habe das mal ausgerechnet. Durchschnittlich schreibe ich – wie vermutlich gefühlt 90 Prozent der Kollegen (bzw. mindestens 90 Prozent fühlen sich so) - täglich bis zu 220 Zeilen. Das ist so ungefähr jeden Tag die Textmenge, die der Mittelbau einer klassischen Zeitungsseite fasst plus drei bis vier kleinere Nachrichten. An Spitzentagen sind es 500 Zeilen. Tage unter 200 Zeilen in den vergangenen Wochen und Monaten fallen mir kaum noch ein, eine Handvoll könnten es sein. Natürlich ist Schreiben mein Job. Und grundsätzlich ist der Job einer der schönsten der Welt. Nur die Umstände sind beschissen.
Jeden Tag solche Textmengen ausstoßen zu müssen, bedeutet schlicht irgendwann geschlaucht zu sein. Das kann nicht anders kommen. Denn es geht ja nicht allein darum, die Zeilen einfach nur zu schreiben. Bis man die Zeilen hat, ist ja jede Menge Arbeit zu tun. Telefonate, Termine, schriftliche Anfragen, Besuche vor Ort, Fotos bzw. die Organisation von Fotos … na Recherche und so eben …
Für Ideen, für Funken, für Kreativität braucht es Luft zum Atmen, die nicht gegeben ist beim Hetzen von einer Zeile zur nächsten. Gute Zeilen allein schon in Sachen Stilistik wachsen davon auch nicht. Für gute Arbeit, gründliche Arbeit und schließlich den Anspruch der vierten Gewalt (... na Recherche und so eben ...) braucht es Zeit, die nicht gegeben ist beim Hetzen von einer Zeile zur nächsten.
Will ich damit jammern? Nö. Also ... jein. Dann könnte ich mir diesen schönen Job woanders suchen und Ruhe is. Genau an diesem Punkt fängt jetzt das Jammern an! Das Jammern über Journalismus heutzutage.
Es geht nicht um mich, es geht nicht um meine Redaktion, es geht nicht um dieses eine Medium. Das ist nur ein Beispiel aus dem konkreten Erleben. Wo auch immer man hinhört und sich mit Redakteuren austauscht, über welche Tageszeitung man auch immer in Branchenmagazinen liest, was auch immer die Gewerkschaften kommunizieren, was auch immer man recherchiert – das Problem ist (fast) überall genau das gleiche. Redaktionen sind personell zu knapp besetzt, immer weniger Leute müssen in Zeiten des Digitalisierungswahns (alles zuerst online, noch ein Video, schnell eine Bildergalerie) immer mehr Arbeit leisten und entfernen sich auch dadurch immer weiter vom Journalismus wie er sein sollte – die abverlangte Quantität killt jede Qualität. Und am Ende schimpft wieder einer Lügenpresse ... und ein Funke Wahrheit ist dran.
Montag, 20. November 2017
Ehrlich sein
Die richtigen Fragen
Gelernt ist gelernt
** Vielleicht sollte ich Volontäre unterrichten, damit die wirklich mal was auf dem Kasten haben.


